Heinrich IV., im 16. Jahrhundert erster Bourbone auf dem Thron Frankreichs, erlangte nicht nur Berühmtheit durch die Befriedung eines von Religionskriegen zerrütteten Landes. Seinen Geliebten maß der "vert galant" oft größere Bedeutung als der Staatsraison bei. So beunruhigte er im Jahr 1599 halb Europa mit der Bekanntgabe seiner Heiratspläne. Gabrielle d'Estrees, seine langjährige Geliebte und Mutter zweier vom König legitimierter Kinder, sollte Heinrichs Plänen zufolge Königin von Frankreich werden. Nur ihr mysteriöser und bis heute ungeklärter Tod einige Tage vor der geplanten Hochzeit machte den Weg frei für Maria di Medici. Durch deren Heirat mit dem König im Jahr 1600 wurde der Einfluss der Medici und damit der katholischen Kirche in Frankreich gesichert.

Historiker versuchen seit zweihundert Jahren zu klären, seit wann Ferdinando di Medici (Oberhaupt des Medici-Clans und Financier des von Heinrich IV. in den Religionskriegen geführten Heers) Heiratsverhandlungen mit dem französischen Hof führte. Die bisher bekannte diplomatische Korrespondenz bricht vier Monate vor dem Tod der Geliebten ab und beginnt erst wieder elf Monate später.

Bei einem Aufenthalt in Florenz entdeckte Silva Fischer im dortigen Medici-Archiv codierte Briefe aus der fraglichen Zeit. Die Vermutung liegt nahe, dass man ab Herbst 1598 die diplomatische Korrespondenz zwischen Frankreich und Florenz verschlüsselte, weil ihr brisanter Inhalt nur vom Empfänger entziffert werden sollte. Bis heute ist der Inhalt dieser Briefe völlig unbekannt. Mit Hilfe mathematischer Methoden und Computertechnik soll nun versucht werden, den Code zu finden, mit dem die Briefe verschlüsselt sind. Zunächst sollen moderne Verfahren der Mathematischen Bildverarbeitung eingesetzt werden, um die ca. einhundert gefundenen Briefe zu digitalisieren. Auf diese Weise wird es hoffentlich gelingen, eine große Lücke in den Geschichtswissenschaften zu schließen.

Aus ZeTeM-News 08/04, Universität Bremen